Winston Zulu hat AIDS

 

Winston Zulu schreibt 2004 über das Leben mit HIV: Angst, Wut und Diskriminierung

 

Ja, ich lebe seit einem Dutzend Jahren positiv mit HIV.

Ja, ich habe, wie ich hoffe, einigen Menschen Hoffnung gegeben.

Ja, ich versuche die meiste Zeit, nicht weinerlich zu sein.

Und ja, ich bin froh, dass ich hier bin.

Doch die Tatsache bleibt, dass mein Leben, da ich mich mit HIV infiziert habe, viel kürzer sein wird. Düstere Gedanken und Sterblichkeit gehören zu meinem Alltag.

 

Ich weiß was Angst ist. Die Angst, Gewicht zu verlieren, bis du keine Lippen mehr hast, um deine Zähne zu bedecken. Die Angst von denen, die dir am nächsten stehen, abgelehnt zu werden. Die Angst, kalt und tot zu sein.

Allein in diesem Sarg. Die Angst, deine Kinder, deine Frau, deine Eltern und Freunde zu verlassen.

Ich weiß was Angst ist. Die Ungewissheit, was mich morgen erwartet. Tuberkulose, Gürtelrose, Lungenentzündung, Kaposi-Sarkom, Mundsoor, Mykose, virale entzündliche Hautveränderungen, bakterieller Hautausschlag, Diarrhö, Meningitis, Cytomegalievirus, Gewichtsverlust, bis jeder es sehen kann.

 

Ich weiß was Wut ist. Wut auf mich selbst, weil ich mich in diesen Schlamassel gebracht habe. Wut auf Gott, weil er mich nicht vor dieser Seuche geschützt hat. Wut auf die Welt der Wissenschaft, weil sie es nicht geschafft hat, zu meinen Lebzeiten ein Heilmittel zu entdecken. Wut, noch am Leben zu sein.

 

Ich weiß, was Diskriminierung ist: dass mich unwissende Menschen vom Bus stoßen, weil sie denken, ich würde sie anstecken, wenn ich sie nur berühre. Dass man mir die Möglichkeit verwehrt, im Ausland zu studieren. Kein Fleisch, das nicht völlig durchgebraten ist, keinen Alkohol, keinen Zucker, keine Cola, kein Sex. Dass für mich Sondergesetze erlassen werden. Dass man mir einen Arbeitsplatz, eine Beförderung und einen Versicherungsschutz verwehrt. Dass man mir Gottes Segen verwehrt, wenn ich heirate. Mich abschreibt.