Do
18
Dez
2008
Hillcrest AIDS Center
Nun ist schon fast die zweite Woche vorbei, seit hier in Südafrika die Sommerferien begonnen haben und ich somit in der AIDS-Unit im Hillcrest AIDS Center arbeiten darf.
Ich bin mehr als begeistert von diesem Ferienprojekt und muss sagen, dass ich, als ich neulich mitten in einem Township in Molweni stand und eine AIDS-Patientin, abgemagert bis auf die Knochen und keuchend wegen der sommerlichen Hitze zum Auto über einen Schotterweg trug; so richtig angekommen bin.
Hier ein Auszug aus einer E-Mail die ich nach Deutschland sendete:
>>Mir geht es sehr gut! Ich hatte die Woche einen erlebnisreichen Arbeitstag, an den ich sicher noch lange denken werde. Ich arbeite ja seit Montag im Hillcrest AIDS-Center. Dort gibt es eine kleine AIDS-Unit, eine kleine Station inder AIDS erkrankte versorgt werden. Sie werden wieder aufgepuscht und können anschließend nach Hause in der Hoffnung dass sie ihre Antiretroviralen Medikamente regelmäßig und gewissenhaft einnehmen.
Ich sollte eine neue Patientin in einem der vielen Township abholen. Leider kann ich Dir nicht mit Worten beschreiben wie riesig die Townships hier sind. Also bin ich mit einem Dienstfahrzeug (gesponsert von Daimler Crysler und für die nächsten 1 ½ Wochen mein Dienstwagen) auf den Schotterwegen in den tiefen des Townships Molweni gefahren. Hinter mir rannten einige Kinder, die wahrscheinlich noch selten solch ein Auto oder einen Weißen wie mich zu Gesicht bekommen, da ich durch Berg und Tal irgendwann in einer mit Bergen umringten Gegend angelangt bin, völlig abgeschlossen von der Zivilisation. Ich habe das Auto dann irgendwo abgestellt, bin ausgestiegen und hab mich mit meinem eher schwachen Zulu und Englisch durchgefragt. Ein kleiner Junge, der auf einem Mango-Baum saß, hat mir eine frisch gepflückte Mango zugeworfen, nachdem ich ihn gefragt habe wie es ihm denn geht. Habe noch nie in meinem Leben so eine frische, fruchtige und süße Mango gegessen wie diese (habe natürlich gleich reingebissen J) – Um mich rum waren lauter kleine Kids und wollten mich anfassen und in mir kam ein Gefühl auf, dass mir sagte: Hey, ich mache genau das Richtige hier! Das ist mein Traum! Das ist Afrika! … Irgendwann, habe ich dann auch die Patientin in einer Lehmhütte, die ungefähr so groß wie ein Kinderzimmer und in der eine Großmutter mit 7 Enkeln und der besagten Patientin (die Mutter der Kinder. Vater an AIDS verstorben) gemeinsam auf engstem Raum leben. Die Patientin war zu schwach um selbst aufzustehen, hatte blutigen Auswurf und war wirklich bis auf die Knochen abgemagert. Ich habe sie auf meinen Armen zum Auto getragen und habe mich von den Kindern und der Großmutter verabschiedet um nach einer halben Stunde Fahrt, wieder in einer zivilisierten Gegend und schließlich im Hillcrest AIDS-Center anzugelangen wo sie weiter versorgt wurde…. <<
Die Patientin ist mittlerweile mit 26 Jahren an AIDS und der damit verbundenen Begleiterkrankung Tuberkulose verstorben!
www.hillaids.org.za – Internetseite des AIDS Centers in Hillcrest Südafrika

